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Castel del Monte

Castel del Monte – ein architektonisches Rätsel

Blick aus dem Innenhof des Castel del Monte gen Himmel
Blick aus dem Innenhof des Castel del Monte gen Himmel

Übersichtlich, symmetrisch, logisch, so wollte der Stauferkaiser Friedrich II. seine Burgen und Lustschlösser gestaltet wissen. “Wir haben immer die Schönheit geliebt und ohne Unterlass ihren Duft eingesogen”, schrieb der Monarch, der in Castel del Monte kristalline Form und puristische Ästhetik miteinander verschmelzen sah.

Von alters her symbolisiert das Quadrat die Erde, der Kreis den Kosmos. Zwei Quadrate ergeben ein Achteck, dessen Spitzen wiederum in einen Kreis passen, so wie bei der Achteckburg in Apulien die Quadratur des Kreises oder die Einheit von Himmel und Erde gesucht wird. “Ein mediterraner Charakter, eher solär als finster und verschlossen”, urteilt der Historiker Cosimo Damiano Fonseca über den Kaiser: “Seine Persönlichkeit jedoch ist schwer zu fassen.” In dieser vereinigten sich ein deutscher Vater, Heinrich VI., Konstanze, die dominante normannische Mutter, und eine Kindheit als Waisenknabe in den Straßen von Palermo, Schnittpunkt normannischer, arabischer und griechischer Kultur.

Auf seinem Triumphbogen von Capua brachte das “Kind Apuliens” die imperiale Majestät zum Ausdruck: ganz oben Christus, darunter Friedrich II., der gottgewollte Messiaskaiser, dann Tugenden wie Gerechtigkeit, Besonnenheit und schließlich die von ihm hoch geschätzten Rechtswissenschaftler. Auch die Burgen, Jagd- und Lustschlösser, mit denen er sein süditalienisches Königreich überzog, dienten nicht nur der Verteidigung der Macht, sondern verkündeten die Allgegenwart eines Herrschers, der als “Lex animata”, als Verkörperung des Gesetzes, sich quasi als Halbgott sah. Doch die Botschaft Castel del Montes bleibt bis heute mysteriös.

Das Achteck, das Regisseur Jean Jacques Annaud zum Bibliotheksturm der Verfilmung von Umberto Ecos “Der Name der Rose” inspirierte, ist keine Burg, weil Graben, Stallungen und Räume für die Besatzung fehlen. Für die Residenz eines Kaisers, der mit Harem, Leibwächtern, Dichtern, Minnesängern und Wissenschaftlern durchs Land zog, scheinen zwei Mal acht Säle zu wenig Platz zu bieten. Auch wenn einer der acht Türme heute den vom Staufer geliebten Falken gewidmet ist, gibt es kein eindeutiges Indiz, dass das Kastell tatsächlich als Jagdschloss gedacht war.

Keine Kreuze, Madonnen, Schutzpatrone, dafür aber Esoterik und die Zahlenmystik der Kabbala sind die Erblasten, die Friedrich II. hinterließ. “In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht”, singt Priester Sarastro in Mozarts Freimaureroper “Die Zauberflöte”. Dass Castel del Monte als ein solcher Tempel, als Kirche des Kaisertums, geplant war, dafür sprechen Form und Abmessungen. Die Reichskrone ist achteckig wie Fassade und Innenhof von Castel del Monte. Die zwei Mal acht Säle verkörpern – so der antike Architekt Vitruv – “die perfekte Zahl”. Die Maßeinheit, nach der König Salomo den Tempel in Jerusalem baute, war 0,55 Zentimeter. Die dem Hof der Stauferburg zugekehrte Mauer ist 22 Meter, also 40-mal so lang. 40 Tage dauerte die Sintflut, Moses’ Aufenthalt auf dem Berg Sinai, das Fasten Christi, die Frist zwischen Auferstehung und Himmelfahrt. “Diese Zahl ist an Erwartung, Buße, Läuterung geknüpft”, so das Urteil des Historikers Aldo Tavolaro, der sogleich fragt: “War das Kastell <Rittern des Geistes< wie Philosophen und Mathematikern gewidmet?”

Von weitem ein flaches Rechteck, muss der Ankömmling aus der Nähe zu den trutzigen Mauer hinaufschauen. Der unbekannte Baumeister – er war Astronom – hat ihn bewusst in der Froschperspektive postiert, denn das Schloss gleicht der himmlischen Uhr, deren Schatten den Wechsel der Sternkreiszeichen kundtun. Die Punkte von Sonnenauf- und -untergang beider Sonnenwenden bilden ein Rechteck, dessen Diagonalen sich im Hofzentrum schneiden und die Außenkanten der Türme im Osten und Westen berühren.

Bodenständige Romanik wird von frühgotischen Spitzbögen des Zisterzienserordens überlagert, zu dem der von den Päpsten angefeindete “Antichrist” stets beste Beziehungen pflegte. Jenseits der asketischen Linienführung war das Schloss mit fünf Bädern samt Fließwasser, das aus in den Türmen eingebauten Zisternen strömte, und – von Honiggelb über Rosarot bis zum kühlen Blau – mit einer Farbpalette einheimischer Gesteinssorten eine wahre Luxusherberge, doch: Hat Friedrich II. je in Castel del Monte gewohnt?

Siehe auch:

Unser Artikel zum Leben Friedrich II. von Hohenstaufen

Informationen zu Zentralapulien, wo Sie zahlreiche Burgen und Kastelle aus der Zeit Friedrich II. finden können

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