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Die Masserien in Apulien

Was ist eine Masseria?

Typische Masseria
Typische Masseria

Apulien war Jahrhunderte lang ein Grenzgebiet, heiß umkämpft, immer wieder ausgeplündert, gebrandschatzt und verwüstet. Zeugen der unsicheren Zeiten sind zum einen die Wachtürme aus dem 16. Jahrhundert, deren Überreste entlang der Küste heute zum Ziel von Wanderungen geworden sind. Ein „imposanteres“ Zeugnis sind jedoch die vielen Befestigungen, die von riesigen Kastellen bis zu den Masserien reichen und heute noch das Stadt- und Landschaftsbild prägen.
Vor allem zur Zeit der spanischen Herrschaft war es deren Einsatz, entlang der Küsten Wachtürme aufzubauen und Gutshöfe mit Wehrmauern und –türmen auszustatten, um ständige Plünderungen und Belagerungen auszustehen.

Masseria mit Trulli und Kirche
Masseria mit Trulli und Kirche

Baumerkmale einer Masseria

Typisches Merkmal der apulischen Landschaft sind die masseria (Gehöft), deren Namen aus dem lateinischen „massa“ (landwirtschaftlich genutzter Boden) stammt und die Tradition der altrömischen villae weiterführen. Die Masserien wurden um das Jahr 1000 mit der normannischen Invasion begründet, und zwar entlang den Wegen der Hirten. Mit dem Auftauchen von Piraten, Briganten und immer neuen Völkern, die über Meer und auf dem Landweg von dem fruchtbaren apulischen Gebiet angezogen wurden, wurde eine Befestigung der Höfe geradezu zwingend. Man kann die Masserien prinzipiell wie folgt unterteilen: Masserien, die nur aus einem Wehrturm bestehen, befestigte Masserien ohne Wehrtürme, nicht befestigte Gutshöfe und wahre Kastelle mit allem, was zum täglichen Leben gehörte, darunter der große Innenhof, der Flügel für den Gutsherr und seine Familie, der Flügel mit allen Räumlichkeiten, die zur Bewirtschaftung notwendig waren und eventuell mit einer Familienkapelle, um auch im Falle einer Belagerung nicht auf die täglichen Gottesdienste verzichten zu müssen.

 

Veränderungen ab dem 18. Jahrhundert

Architektur der Masseria
Architektur der Masseria

Im Laufe der Zeit wurden die Masserien ab dem 18. Jahrhundert in „domus“ nach römischem Vorbild verwandelt: Da die vorwiegend auf Verteidigungsgründen basierenden Elemente zwecklos geworden waren, wurden die Gebäude in wahre Herrenhäuser mit Geländern, Balkonen, Gärten, Dekorationen und riesigen Treppenaufgängen verwandelt. Die Säle wurden mit Fresken geschmückt, kostbare Statuen aufgestellt, Brunnen und Laubengänge installiert. In Apulien gibt es heute noch über zweitausend Masserien, teils verfallen, teils mit rustikalen, teils mit aristokratischen Aussehen, die einen typisch mediterran, die anderen im prächtigen Barockstil. Riesig und mit Türmen versehen sind die Gehöfte der Capitanata.

Aus Stein, niedrig und schlicht die Masserien der Murgia, vom blendenden Weiß des Kalkanstriches gekennzeichnet die masserie im Süden von Bari und um Brindisi und schließlich pompös und herrschaftlich streng im Salent. Meist umgeben von Olivenhainen, Weinbergen, Mandelgärten, Zitronen- und Orangenbäumen, lassen sie einen vergessen, in welchem Jahrhundert man sich momentan eigentlich befindet …

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