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Folklore in Apulien

ÜBERBLICK FOLKLORE

Osterprozession in Taranto
Osterprozession in Taranto

Religiöse Feste, Feiern und historische Kostümumzüge: Apulien bietet einen reichhaltigen Kalender voller sowohl religiöser als auch profaner Volksfeste, die das ganze Jahr über in allen Ortschaften der Region stattfinden. Musik, Tanz, Prozessionen mit Heiligenstatuen, Ritterturniere, Wettkämpfe, typische Speisen und Getränke, uralte Bräuche … nirgends kann man besser die Vielfalt der apulischen Traditionen und Brauchtümer kennen lernen als auf diesen Volksfesten! Absoluter Höhepunkt ist der Monat August, in dem man jeden Tag die Qual der Wahl hat, an welchem Fest man teilnehmen möchte. Aber auch in den anderen Monaten des Jahres gibt es unzählige Möglichkeiten, die Traditionen dieser Region kennen zu lernen.

TANZ UND MUSIK

Die Tarantella des Gargano ist ein Paartanz, der von Kastagnetten begleitet wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Chitarra battente (Rhythmusgitarre). Der Tanz durchläuft die verschiedenen Phasen der Werbung und des Liebesidylls. Der Mann wirbt um die Frau und versucht, sie zu verführen, bevor sich beide ihrer Liebe hingeben.

“La Pizzica” oder “Tarantella” ist ein typischer Tanz des Salents, der heute ein musikalisches, soziologisches und psychologisches Phänomen darstellt.
Die Wiege dieser Musikart steht in der nordapulischen Stadt Lucera (Provinz von Foggia), wo sich seit dem 13. Jahrhundert Sarazenen angesiedelt hatten und die, nach langen Arbeitstagen sich singend und tanzend ausruhten. In späteren Zeiten, als man Angst vor dem Biss (beissen = „pizzicare“) der hiesigen Spinnenart („tarantella) hatte, der hohes Fieber und Wahnvorstellungen weckte, gab man nur einen Rat: zu schwitzen, um das Gift herauszuschwitzen. Und das sollte man tun, in dem man zu der ausgelassenen Musik der sarazenischen Musik tanzte.

Das unverzichtbare Instrument der Pizzica ist das Tamburin, von den Sarazenen importiert und im Laufe der Zeit leicht verändert. Die weiteren Instrumente sind: die Gitarre, die Ziehharmonika, die Flöte, die Mandoline, Kastagnetten und die Violine.

PROZESSIONEN

Eine Konsequenz der Reformationsbewegungen des 16. Jahrhunderts war eine Glaubensspaltung. Während der “protestantische” Teil christliche Symbole und Feiern weitgehend eindämmte bzw. abschaffte, geschah in Südeuropa das Gegenteil: die Kirche versuchte eine noch strengere Auslegung der Heiligen Schrift und der Symbole durchzusetzen. Die Künstler schufen massenhaft christliche Symbole (ein Beweis dafür ist zum Beispiel der “Lecceser Barock”, ein Kunststil, der an allen Kirchen und Klöstern in Lecce eine überbordende Anzahl von Figuren und Symbolen erkennen lässt). Darüber hinaus wurden öffentliche Zeremonien und Prozessionen eingeführt, um die Bevölkerung enger an die Rituale der Kirche zu binden. Jede Stadt und jedes Dorf bekam (mindestens) einen heiligen Stadtpatron, der einmal im Jahr gefeiert wurde, wobei die Statue des Heiligen durch die Straßen der Ortschaft getragen wird und ein großes Fest veranstaltet wird. Diese Tradition hat sich bis heute vor allem in Süditalien erhalten. In kleinen Dörfern ist an diesem Feiertag die gesamte Bevölkerung auf den Beinen. Eine besondere Ehre ist es, die Heiligenstatue tragen zu dürfen oder in der Festkapelle in schmucker Uniform zu spielen. Dabei werden typische Gerichte und Süßigkeiten angeboten und eine besonders feierliche Illumination der Straßen gibt dem Ganzen einen noch festlicheren Rahmen!

DIE NACHT DER TARANTA

Die berühmteste Tanzveranstaltung in Apulien ist die “Nacht der Tanzwut”, die seit ein paar Jahren um den 17. August herum in Melpignano, neben dem Kloster der Augustiner, stattfindet. Die Idee für dieses Festival geht auf das Jahr 1988 zurück, als man sich dazu entschloss, ein großes Volksmusikkonzert in der Umgebung der „Grecìa Salentina“ zu organisieren. Heute ist die Nacht der Tanzwut weltweit berühmt: viele bekannte Musiker, die zusammen mit örtlichen Musikern an den Abendvorstellung teilnehmen und damit einen wunderbaren, jahrhundertelangen Brauch wiederbeleben, sind davon fasziniert. Weil diese Veranstaltung in den letzten Jahren sogar direkt im Fernsehen übertragen wird, ist sie heute eine gute Möglichkeit, den Reiz und die Lebendigkeit der Traditionen Apuliens außerhalb der Region Apulien bekannt zu machen.

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